„Wieso eine neue Einsteiger-Drohnenserie von DJI?“ werden Sie sich vielleicht fragen. Da gibt es doch schon reichlich Modelle. Theoretisch 9 (!) verschiedene Modelle finden sich innerhalb der DJI Mini Baureihe, von der ursprünglichen DJI Mini (1) bis zur Mini 5 Pro, darunter auch noch diverse Modelle mit dem Zusatz „SE“ oder „K“. Recht unübersichtlich, das Ganze. Viele der Modelle aus der DJI-Mini-Baureihe sind aber längst nicht mehr lieferbar, einzelne sind „Channel-Modelle“ (die es zumindest zeitweise exklusiv bei Amazon gab). Die Unterschiede zwischen den einzelnen Modellen sind teilweise sehr gering.
Was in den vergangenen Jahren auffiel, und genau darin liegt auch die Berechtigung der neuen Lito-Baureihe: Die Mini-Serie wurde immer mehr „Pro“. Dieser Namenszusatz bot anfangs innerhalb einer Generation (auch wenn die Modelle zeitversetzt auf den Markt kamen) ein Unterscheidungsmerkmal zwischen einer kameratechnisch eher einfach ausgestatteten Einsteiger-Drohne und einem mit jeweils deutlich besserer Kamera ausgestatteten Mittelklasse-Modell. Das alles jeweils immer „Mini“, d. h. in der Gewichtsklasse unter 250 Gramm. Die letzten beiden Generationen kamen nur noch als „Pro“ raus und kosteten als Fly-More-Combo, also als sinnvolles Gesamtpaket, schon knapp 1.000 Euro mit der einfachen Fernsteuerung, und noch etwas mehr mit der Fernsteuerung mit eingebautem Bildschirm. Das ist heute nicht mehr „Einsteiger“, das ist schon Mittelklasse. Und das sind auch super Fluggeräte, mit leistungsfähiger Hinderniserkennung und mit toller 1-Zoll-Kamera. Da gibt es eine Menge Ausstattung fürs Geld – aber das Geld ist eben auch schon ein Tausend-Euro-Schein, und den möchte nicht jeder für seine ersten Drohnenversuche ausgeben.
Die wirklich günstigen Modelle der Mini-Serie hingegen sind mittlerweile technisch veraltet. DJI entwickelt auch die Basistechnologie immer weiter. Dazu zählen etwa die Videoübertragungstechnik (immer weitere Übertragung, immer bessere Qualität), bessere/aktuellere Hinderniserkennung, neuere, leistungsfähigere Prozessoren und damit verbunden leistungsfähigere Motivverfolgung und so weiter.
Deshalb nun die neue DJI Lito Baureihe, in der ersten Generation bestehend aus der Lito X1 und der Lito 1. Beide unterscheiden sich durch die Kamera. Hier bietet die Lito 1 eher die untere Grenze, was heute Sinn ergibt. Leser von digitalEyes.de oder digitalkamera.de werden sicherlich mit einem kleinen 1/2-Zoll-Sensor nicht wirklich glücklich. Ich sehe auch nicht wirklich die Notwendigkeit, eine DJI Lito 1 auf den Markt zu bringen, außer, dass man damit noch einen Preispunkt unterhalb von allem anderen setzen wollte. Ab 339 Euro geht es nämlich los. Die Fly More Combo mit weiteren Akkus, Ladeschale und Tasche gibt es bereits für 479 Euro, das ist natürlich günstig. Ein Set mit einer besseren Fernsteuerung mit eingebautem Bildschirm gibt es folgerichtig nicht, denn dann würde man sich aus der Einsteigerpreisklasse entfernen. Die technischen Eckwerte sind mit 4K60-Video und 48-Megapixel-Kamera nicht schlecht. Aber warum einen kleinen 1/2-Zoll-Sensor in die Luft schicken, wenn man für wenige zusätzliche Euros einen größeren Bildsensor mit deutlich mehr Fläche und besserer Bildqualität bekommt?
Denn den gibt es in der DJI Lito X1 und die bekommt man „nackt“ auch schon für überschaubare 419 Euro und bei ihr sind gleich 42 GByte interner Speicher eingebaut, sodass man sich eine zusätzliche MicroSD-Karte sparen kann. Und übrigens auch LiDAR für eine noch bessere Hinderniserkennung, den hat die einfachere Lito 1 nicht. Die zusätzlichen Euros sind also bestens investiert. Praktisch interessanter sind bei DJI immer die sogenannten Fly More Combos, die zwei zusätzliche Akkus, eine Ladestration und eine Umhängetasche und Ersatzpropeller dabei haben. Normalerweise empfehlen wir immer diese. Bei der Lito X1 konnte aber jemand bei DJI den Taschenrechner nicht bedienen, sodass wir hier die Fly More Combo nur mit etwas Magengrummeln empfehlen können: Diese kostet nämlich 579 Euro (also 100 Euro mehr als die Combo mit der Lito 1). Die zusätzlichen Komponenten sind dieselben. Wer bis hierhin aufgepasst hat, merkt aber: Der Preisunterschied zwischen Lito 1 und Lito X1 war nicht 100 Euro, sondern nur 80 Euro. Faktisch zahlt der Litho 1-Käufer 140 Euro Aufpreis für das Zubehör und der Litho X1-Käufer zahlt 160 Euro für genau dasselbe Zubehör! Ergibt keinen Sinn? Sehe ich auch so.
Dann doch lieber noch 100 Euro drauflegen und das Kit mit der sinnvollen RC-2-Fernsteuerung mit eingebautem Monitor kaufen. Oder eben wirklich knausern und beim Basis-Kit von 419 Euro bleiben. Super interessant übrigens: Die Lito X1 (in der Kombo mit der Display-Fernsteuerung) gibt es wahlweise auch mit den größeren Plus-Akkus. Dann beträgt die Flugzeit pro Akkuladung statt normal bis zu 36 Minuten sogar bis zu 52 Minuten. Wichtig: Damit wiegt die Drohne mehr als 249 Gramm und ist damit nicht mehr in der EASA C0 Klasse, die „führerscheinfrei“ geflogen werden darf, sondern in der EASA C1, die nur mit Sachkundenachweis geflogen werden darf. Solche „Plus“-Akkus gab es vorher schon für verschiedene Modelle der Baureihe DJI Mini. Unseres Wissens nach waren diese Akkus aber regulär nicht in Europa erhältlich. Da hat es jetzt also offenbar ein Umdenken im Hause DJI gegeben.
Kurz noch zur Technik. Das ist alles nicht „spektakulär“, aber eben doch sehr solide für das Geld. Man bekommt eine Kamera mit 1/1,3-Zoll-Sensor mit 48 Megapixeln. Diese Sensoren haben schon an vieler anderer Stelle gezeigt, dass sie erstaunlich gut sind. 4K-Videos mit 60 fps (Bildern/s) und HDR. Ohne HDR auch mit 100 fps für Zeitlupen-Videos. Bis zu 17 Blendenstufen Dynamikumfang im Automatikmodus für Videoaufnahmen verspricht DJI. Dazu gibt es selbst im Einsteigerbereich mittlerweile (endlich!) eine gerade ja für Einsteiger sinnvolle Hinderniserkennung rundum (früher in der Klasse meist nur vorne/unten) und beim Lito X1 sogar in Vorwärtsrichtung eine besonders präzise mit LiDAR.